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Australien 2005

Am 19.08.05.trafen wir, 50 SängerInnen und Bläser, uns am Plärrer, gespannt und voller Erwartung, was wohl die nächsten drei Wochen in „Down Under“ auf uns zukommen wird.
Nach gut 24 Stunden Flug erreichten wir unsere erste Station: ein ehemaliges Kloster „The Monastery“ am Stadtrand von Adelaide.
Gleich am ersten Abend stand die Ausgestaltung eines Gottesdienstes in der Bethlehem Church für uns auf dem Programm. Im Anschluss gab es das erste Kennenlernen der Mitglieder der lutherischen Kirchengemeinde im Gemeindehaus. Dort war auch eine Aborigine-Familie zu Gast, die uns spontan ein traditionelles Lied sang und auch gerne von ihrem Leben berichtete.
Nach einem kleinen Auftritt in einem Seniorenheim am nächsten Morgen, statteten wir der Sekretärin des Bischofs der lutherischen Kirche von Australien einen Überraschungsbesuch ab. Jenny Wagner hatte vor Ort sehr viel bei der Organisation unserer Reise geholfen und bedankte sich gerührt für unseren Besuch. Der Bischof selbst war zu dieser Zeit auf Auslandsreise in Berlin.
Nach einer Sightseeing-Tour durch die Millionenstadt, stand am nächsten Tag schon die Fahrt nach Dimboola an. Der 1700-Seelen-Ort ist das Heimatdorf von Jenny Pilhofer, Gattin des Hohenstädter Pfarrers Georg Pilhofer. Sie hatte von Deutschland aus sehr viel zum Gelingen der Reise beigetragen und begleitete uns auch während der beiden ersten Wochen. Wunderbar herzlich und mit einem tollen Picknick wurden wir von Jennys Mama Greta empfangen. Zwei verschiedene Suppen, Sandwiches und diverse Desserts hatte sie liebevoll für uns vorbereitet. Nach dieser Stärkung ging es weiter in das Seniorenheim der Stadt, wo wir mit unseren Liedern die Zuhörer erfreuten.
Dimboola liegt im Landesinneren am Rande des zweitgrößten Nationalparks des Bundesstaates Victoria. Der Name des Naturreservates „Little Dessert“ (kleine Wüste) lässt vermuten, wie die Umgebung dort aussieht: Vieh, Landwirtschaft und die für Australien typischen Schafe bestimmen das Bild der weitläufigen Landschaft.
Im Anschluss bezogen wir unsere Unterkunft am Rande der Ortschaft. Im „Dimboola Girls Guide Camp“ wurden wir herzlich von Dennis und Cheryl empfangen und teilten uns auf die beiden Schlafquartiere auf. Während die meisten der weiblichen Chormitglieder den Komfort der Wohncontainer genießen durften, konnten die Männer und ein kleiner Teil von „starken“ Frauen erkennen, wie kalt der australische Winter wirklich sein kann. „Natur pur“ hieß es dort und so wurden wir morgens durch das typische Lachen des Kookaburras geweckt.
Beim Gospelworkshop in der örtlichen Highschool musizierten wir mit einheimischen Schülern. Nach anfänglicher Zurückhaltung war die Stimmung am Ende des gemeinsamen Konzerts so ausgelassen, dass sogar eine Polonaise –bunt gemischt mit Bläsern, Sängern, Schülern und Lehrkräften- durch die Turnhalle zog.
Am nächsten Tag konnten wir einen weiteren Einblick in die Weite des Landes um Dimboola bekommen. „The Grampians“, ein Nationalpark, dessen Täler an den Grand Canyon erinnern, sowie die Farmen der Australier, die etwa zehn Mal so groß sind wie ein mittlerer fränkischer Bauernhof, hinterließen tiefe Eindrücke bei uns Sängern.
Beim obligatorischen „Supper“ (Abendessen) mit leckeren australischen Spezialitäten, nach den Auftritten, fand sich immer die Gelegenheit zum Austausch mit den Einheimischen. Neben der ausgeprägten Gastfreundlichkeit fiel uns vor allem auch die Offenheit und die Wissbegierde der Australier auf. Immer wieder erzählten sie uns von ihren deutschen Vorfahren und genossen es, endlich mal wieder die Sprache ihrer Großeltern zu hören und den eigenen Wortschatz hervorzukramen.
Besonders in den beiden Gemeinden Rainbow und Pella wurde dies deutlich. Lorraine Dunn und ihre Kollegen bereiteten für uns in Rainbow ein tolles BBQ an einem ausgetrockneten Salzsee zu.
Am Abend fand ein weiteres Konzert in der kleinen Kirche in Pella statt. Schon zum Einsingen wurden wir mit frischem Obst versorgt und zum Umziehen wurde uns sogar ein eigens dafür gemietetes Motelzimmer zur Verfügung gestellt.
Die Einzugsgebiete der Kirchengemeinden sind teilweise so weitläufig wie das Land selbst. Viele der Konzertbesucher waren Stunden vorher bereits im Auto gefahren und traten die Heimreise erst am darauf folgenden Tag an.
Nach dem Mitwirken im Gottesdienst der Dimboola Lutheran Parish mit Pastor Martin Schranke hieß es Abschied nehmen und weiter ging die Fahrt zurück ans Meer nach Warnambool.
Zwischenstopp machten wir jedoch noch in Tarrington, wo wir mit dem dortigen Kirchenchor, der Brass Band und dem „Table Male Choir“ noch ein tolles gemeinsames Konzert gestalteten.
Angekommen in Warnambool trafen wir zum ersten Mal auf die Tiere, für die dieser Erdteil bekannt ist: Koalas und Känguruhs.
Beim Erkunden des „Tower Hill“-Nationalparks sowie am Strand, wo wir hofften, in den Tiefen des Meeres Wale zu sehen, konnten wir erneut die tolle Landschaft von Australien erleben. Selbst bei Regen und Sturm bot die Kulisse an der „Great Ocean Road“ ein atemberaubendes Bild. Die „12 Apostel“ ragten aus dem Meer in den bewölkten Himmel.
Am darauf folgenden Tag konnte sich jeder einen halben Tag die Zeit nach Belieben vertreiben. Am Abend hatten wir dann das größte Konzert der Tour: in der örtlichen „Entertainment Hall“ durften wir vor 350 Zuhörern unser Pogramm als Benefiz-Konzert zum Besten geben. Beim anschließenden „Supper“ verabschiedeten wir uns vom „ländlichen Australien“. Die beiden Großstädte Melbourne und Sydney standen auf dem Programm.
Nach einer Highspeed-Sighstseeing-Tour durch Melbourne, ging es über Nacht per Bahn in die 1000 km entfernte Millionen-Metropole Sydney. In drei freien Tagen erkundeten wir Sehenswürdigkeiten wie China Town, Harbour Bridge, die Oper und einige Museen auf eigene Faust.
Bei der Ausgestaltung des Gottesdienstes in der Immanuel Lutheran Church mit Pfarrer Peter Aussenwinkler aus Osnabrück trafen wir sogar eine ehemalige Hersbruckerin. Der Gottesdienst wurde komplett auf Deutsch gehalten und somit freuten sich die Gemeindemitglieder auch über unsere deutschen Volkslieder und die Bachmotette „Ehre und Preis“.
Bei unserem Aufenthalt konnten wir erfahren, dass nicht einmal zwei Prozent der Australier die evangelisch-lutherische Kirche besuchen. Presbyterianer, Calvinisten und Katholiken bilden den größten Teil der Gläubigen. Durch diese Minderheit sind die Lutheraner in Australien sehr konservativ und werden von außen mit Argwohn betrachtet. Nach einer weiteren 12-stündigen Bahnfahrt von Sydney an die südaustralische Ostküste, bezogen wir unser letztes Quartier bei Coolum Beach. Im „Lutheran Heigh Youth Camp“ konnten wir den beginnenden Frühling mit warmen Temperaturen so richtig genießen.
Am nächsten Tag standen ein kleines Konzert zur „Chapel Hour“ im Immanuel College auf dem Programm, sowie das anschließende Singen im Seniorenheim der Stadt.
An den folgenden zwei freien Tagen erlebten wir wieder die australische Tierwelt im „Australian Zoo“ und waren auf „Fraser Island“ – der größten Sandinsel der Welt – der Natur am Nähesten.
Den bewegendsten Auftritt hatten wir wohl beim Abschluss-Konzert in der Turnhalle des Camps. Ein alter Pfarrer dankte uns unter Tränen für die musikalische Botschaft und gab uns für unsere bevorstehende Heimreise ein Segenslied mit auf den Weg.