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Schottland 1998

Im Morgengrauen des 26. August trafen sich 65 erwartungsvolle Hersbrucker SängerInnen am Plärrer, um ihr fast 2.000 km entferntes Ziel in Schottland anzusteuern. Vor uns lag eine lange Reise: Die in Rotterdam um 17.00 Uhr ablegende Fähre musste pünktlich erreicht werden. Wir verbrachten somit die erste Nacht auf unserer Tour auf der Nordsee; doch zur Frühstückszeit hatte die Fähre schon den Hafen von Hull in Nordengland erreicht, und die Busfahrt im deutschen Doppeldecker konnte weitergehen. Bevor jedoch das erste Ziel, Airdrie bei Glasgow, erreicht war, stoppte der Bus für ein paar Fotos in Gretna Green und Glasgow. In Airdrie waren wir im dortigen Gemeindehaus untergebracht.
Am nächsten Tag stand Edinburgh auf dem Programm, mit Besichtigung des altehrwürdigen Castle, das hoch über der Stadt thront. Mit Kopfhörern und Tonbandstimme nach oben geleitet, offenbarte sich ein herrlicher Blick über die Stadt. Später hatten wir noch genügend Zeit für einen Stadtbummel, der durch den – angeblich seltenen – schottischen Sonnenschein noch verschönt wurde. Abends gaben wir dann in der gut besuchten Baptist Church von Airdrie unser erstes Konzert auf schottischem Boden. Die Verbindung war durch Catherine Wood, der Sekretärin der Partnerschaftskomitees aus Lossiemouth, zustande gekommen, deren Neffe in Airdrie als Pfarrer tätig ist. Vor allem von den A-capella-Liedern war das Publikum angetan. Dass die Gemeinde sehr neugierig auf Ihre deutschen Besucher war, zeigte sich, als Reverend Brian More Mitglieder des Chores interviewte.
Am nächsten Morgen ging es über Loch Ness, durch die Low- und Highlands, Richtung Lossiemouth. Die Chormitglieder wurden auf ihre Gastfamilien verteilt. Diesen war dann auch der Abend gewidmet, um sich gegenseitig näher zu kommen und kennen zu lernen. Viele Gastfamilien zeigten lebhaftes Interesse an der Arbeit des Chores, ließen sich sogar die Mappe mit den Kirchenliedern zeigen, deren christliche Inhalte sie natürlich mühelos verstehen konnten. Selbst im sonntäglichen Gottesdienst, in dem übrigens viel gesungen und gelacht wird, spürte man die Anteilnahme der Gemeinde an dem Vorhaben des Chors. Sie beteten auch für ein gutes Gelingen der Konzerte. Mit „Lift up your eyes“ begannen Chor, Bläser und Band am Abend das Konzert in der vollbesetzten Town Hall. Eine besondere Atmosphäre entstand nicht nur durch die gekonnt vorgetragenen Lieder, sondern auch durch die einheitliche Kleidung, die Bürgermeister Wolfgang Plattmeier extra für die Reise hat anfertigen lassen: Der (ganze) Chor erschien in weißen T-Shirts mit den Wappen der Städte Lossiemouth und Hersbruck. Die Rückseite trug die Aufschrift „ We are Twintowns“. Catherine Wood bedankte sich gegen Ende des Konzerts bei Chor, Bläsern und Kantor für den Besuch in Lossiemouth und wies auf die teilweise schon über jahrzehntelangen privaten Freundschaften zwischen Lossiemouthern und Hersbruckern hin, die wohl durch den jetzigen Aufenthalt des Gospelchors noch verstärkt würden. Aber auch zahlreiche neue Freundschaften bildeten sich, wie vor allem das Fußballmatch zwischen dem Lossiemouth-Football-Club und der bunt zusammengewürfelten Chor-Mannschaft zeigte. Schon bei dem Tagesausflug nach Inverness wurden Wetten über das Ergebnis des Spiels am Abend abgeschlossen. Am schottisch-deutschen-Abend wurden bei gemeinsamen Essen von Stovies, einem traditionellen schottischen Gericht, die beiden tapferen Mannschaften mit kleinen Pokalen geehrt, die das Partnerschaftskomitee organisiert hatte. So saß man noch bis in die späten Abendstunden fröhlich zusammen und lauschte den spontanen musikalischen Darbietungen von Deutschen und Schotten. Trotz Regen ließen sich weder Hersbrucker noch Lossiemouther die Stimmung am Abend beim großen gemeinsamen Abschlusskonzert mit der Moray Concert Brass Band und den Moray Fiddlers in der Primary School Hall verderben. Als am nächsten Morgen wieder alles Gepäck, Instrumente und Band-Equipment im Bus verstaut war, sangen wir noch zwei A-capella-Stücke. Dankes- und Abschiedsreden wurden gehalten. Dann nahmen sich Hersbrucker und Lossiemouther an der Hand und sangen gemeinsam, jeder in seiner Muttersprache „Nehmt Abschied, Brüder“, bevor wir endgültig in den Bus stiegen. Nach zwei langen Tagen Busfahrt mit Übernachtung in Studentenbuden im „College of Art“ in Carlisle kamen wir ermüdet im modern eingerichteten „Generator“-Hotel im Herzen Londons an. Zum Ausruhen blieb keine Zeit, da gleich der nächste Konzerttermin in Londons Süden auf dem Programm stand. Trotz Zeitdruck und ohne langen Soundcheck im Voraus gab der Chor ein gelungenes Konzert. Das Publikum war von den Gospels am meisten ergriffen, die ganz ohne musikalische Begleitung dargeboten wurden. Bei von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Sandwiches und Orange Juice konnten wir uns in der Pause stärken. Den Weg zu dieser Gemeinde hatte Karl Schmidt über die Hersbrucker Familie Bär gefunden, deren Angehörige in der Nähe von London leben. Nach einer interessanten Stadtrundfahrt mit einer ortskundigen Führerin, die viel Historisches zu den jeweiligen Gebäuden wusste, stand den Chormitgliedern der restliche Tag zur freien Verfügung. So wurden zahlreiche Einkaufsstraßen, Kaufhäuser, aber auch Museen besucht. Auch am nächsten Tag hatten die Hersbrucker noch einmal Gelegenheit, den Aufenthalt in London voll auszuschöpfen. Abends ging es dann nach West Croydon, einem Vorort Londons, wo wir sehr herzlich empfangen wurden. Die Gemeinde war sehr gespannt und überrascht von der guten Aussprache der englischen Lieder. Während des Konzerts sprang der Funken im wahrsten Sinne des Wortes auf das Publikum über. Das Singen machte den Hersbruckern in einer so gelockerten Atmosphäre noch mehr Spaß, und auch die Bläsergruppe gab noch einmal ihr Bestes. Das Konzert in West Croydon stellte somit den absoluten Höhepunkt dar. Bis spät in die Nacht feierten die Chormitglieder ein mehr als gelungenes Konzert und den Abschluss ihrer erfolgreichen Reise. Am nächsten Morgen ging es durch den „Tunnel“ zurück aufs europäische Festland.